08.12.2023

Vernetzte Mobilitäts-Apps: Regional gut aufgestellt, national mit Luft nach oben

Verbindungen suchen und buchen, alles möglichst an ein und derselben Stelle: ÖPNV-Kunden fragen zunehmend nach Apps, die solche Leistungen bieten – am besten über verschiedene Verkehrsträger hinweg.

Auch Verkehrsverbünde reagieren auf den Trend. Die Entwicklung steht allerdings noch am Anfang. Und sie ist von Rückschlägen gekennzeichnet.

IT-TRANS - Woman in tram checking her mobile phone

Erfolg für den Hamburger Verkehrsverbund: In einer Studie von Civity belegte die App HVV Switch kürzlich einen der Top-Plätze. Die Consulting-Agentur hatte die Kundenbewertungen von Mobilitäts-Apps analysiert. Ergebnis für HVV Switch: Die App könne mit kommerziellen Konkurrenten wie Freenow mithalten und werde „marginal sogar besser bewertet“.

Lorbeeren für einen Verkehrsverbund – mit Blick auf Mobilitäts-Apps gehört das in Deutschland keineswegs zum Normalfall. Doch es gibt Anbieter, die ihre App-Entwicklung konsequent vorantreiben, etliche davon sind auch als Ausstellende bei der IT-TRANS 2024 in Karlsruhe zu Gast.

Auch der HVV ist ein schönes Beispiel dafür. In der Switch-App finden sich neben den Angeboten für Bus und Bahn inzwischen auch die von Unternehmen wie Moia, Sixt Share, Miles, Free2Move, Share Now sowie die E-Roller-Anbieter Tier und Voi. „Damit sind heute schon alle relevanten free floating Carsharer Hamburgs in der App zu finden“, sagt HVV-Sprecherin Constanze Salgues. Als nächstes sollen der On-Demand-Service HVV Hop sowie StadtRad angebunden werden.

Und nicht nur das. Zudem ist es dem HVV gelungen, sämtliche Angebote innerhalb der App auch buchbar zu machen. Genaue Angaben zum Kaufverhalten der Nutzer macht der Verkehrsverbund nicht. Allerding sprechen die steigenden Download-Zahlen für den Erfolg von HVV Switch: Mehr als 1,1 Mio. mal würde das Hilfsprogramm bisher heruntergeladen.

Andere Verkehrsunternehmen reagieren ebenfalls. Dazu gehören unter anderem die Berliner Verkehrsbetriebe mit ihrer App BVG Jelbi, die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVgo), der Karlsruher Verkehrsverbund (RegioMove) oder der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMVgo). Neben Car- und Bike-Sharing-Anbietern sowie E-Roller-Vermietern, finden sich in RMVgo inzwischen auch Taxi-Angebote. Allerdings: Die Angebote Dritter sind innerhalb der App bisher nicht buchbar. Stattdessen wird der Nutzer zum jeweiligen Unternehmen weitergeleitet.

Ein Bruch in der User Experience, die bei den Hilfsprogrammen der Verkehrsverbünde noch keine Seltenheit ist. Ein Grund dafür: Es fehlen standardisierte Schnittstellen, was die Tiefenintegration – also die Buchbar-Machung, aber auch die Abrechnung – der Angebote von Drittanbietern innerhalb der App selbst erschwert. „Eine Standardisierung an dieser Stelle würde die Integration deutlich vereinfachen, beschleunigen und attraktiver machen“, sagt RMV-Sprecher Maximilian Meyer.

Hinzu kommt: Wer Angebote buchbar und abrechenbar machen will, braucht den Zugriff auf entsprechende Daten des Drittanbieters. In der Zusammenarbeit sei daher „Transparenz und Vertrauen von entscheidender Bedeutung“, erläutert HVV-Sprecherin Constanze Salgues. Das allerding sind Währungen, mit denen in der gesamten Mobilitätsbranche auf Grund des starken Wettbewerbs bisher nicht übermäßig gehandelt wird.

Dabei wächst der Druck, vor allem auf die Verkehrsverbünde. Private Anbieter versuchen das Geschäft mit der Vermittlung intermodaler Angebote zunehmend für sich zu erschließen. Das gilt etwa für Freenow, das gilt aber auch für Google Maps. Schon länger versucht das Unternehmen aus Mountain View in Kalifornien seinen Kartendienst zur Super-Mobilitätsapp aufzubauen. In Deutschland finden sich dort bereits Angebote unter anderem der Deutschen Bahn, von Flixtrain und Flixbus. Allerdings: Buchbar sind die Angebote auch bei Google Maps nicht. Der Nutzer wird auch hier zum jeweiligen Anbieter weitergeleitet.

Wie schwierig eine zunehmende Vernetzung von Mobilitätsanbietern ist, zeigen auch die jüngsten Entwicklungen um die App Mobility Inside. Die Digitalinitiative der ÖPNV-Branche hatte zum Ziel, über eine einzige Plattform Fahrplan- und Tarifdaten von Bus- und Bahnunternehmen, die Buchung von Sharing-Angeboten und On-Demand-Verkehren sowie weiteren Mobilitätsdienstleistern den Fahrgästen regionsübergreifend zur Verfügung zu stellen. Seit April 2022 stand die App zum Download bereit. Getragen wurde die Initiative von Gesellschaftern wie der Deutschen Bahn, den Stadtwerken München und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Nun allerdings stellte die Gesellschafterversammlung ihre Geschäftstätigkeit ein. Als Grund wurde die Entscheidung von Bund und Ländern genannt, für das Deutschlandticket keine bundesweite Plattform zu unterstützen. Allerdings: Schon davor verlief der Aufbau der Plattform schleppend.

Beim Rhein-Main-Verbund wird das Aus für Mobility Inside dennoch als vertane Chance kritisiert. „Ich halte das für einen großen Fehler, da das angesichts permanenter Kostensteigerungen schmaler gewordene finanzielle Budget für den ÖPNV nach effizienter Zusammenarbeit und Kooperation und dem Heben von Synergien schreit“, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat.

Bis ÖPNV-Kunden eine überregionale Mobilitäts-App mit breitem Angebot nutzen können, die zudem auf der Plattform selbst buchbar sind, dürfte es noch ein weiter Weg sein.