Über das KAMO Leistungszentrum & das Country to City Bridge-Projekt

Das KAMO Leistungszentrum in Karlsruhe bündelt die Expertise führender Institutionen aus Forschung, Lehre und Transfer, um innovative Mobilitäts- und Logistiklösungen voranzutreiben.

Das KAMO-Leuchtturmprojekt Country to City Bridge, kurz C2CBridge, erforscht Alternativen zum privaten Pkw insbesondere für die Anbindung zwischen Stadt und Land.

Ziel ist die Entwicklung eines nachhaltigen Mobilitätsdienstes mit autonomen, vernetzten Ruf-Sammeltaxis, die flexibel und bedarfsgerecht eingesetzt werden können. Durch die Verknüpfung mit Mobilitätshubs und bestehenden Verkehrsangeboten sollen so neue, integrierte Lösungen für eine zukunftsfähige Mobilität geschaffen werden.

Inhalt

Ermittlung von Mobilitätsbedürfnissen in peri-urbanen Gebieten

• Konzept der Studie

• Exemplarische Ergebnisse für Marxzell

• Bereitschaft zur Nutzung einer automatisierten Ortsbuslinie

• Ausblick

Planung des Mock-Up-Hubs am KIT Campus Ost

Vorstudie zu Umstiegspunkten

Fahrzeugüberführung

Ermittlung von Mobilitätsbedürfnissen in peri-urbanen Gebieten

Konzept der Studie In den beiden Karlsruher Umlandgemeinden Marxzell (ca. 5.000 Einwohner*innen) und Waldbronn (ca. 13.000 Einwohner*innen) wurden für das C2CBridge Projekt Online-Befragungen durchgeführt.

Ziel der Erhebung am ITAS: Ein differenziertes Bild der alltäglichen Mobilitäts- und Aktivitätenmuster zu gewinnen. – Welche Verkehrsmittel werden für welche Zwecke genutzt, welche Aktivitäten finden innerhalb der Gemeinde statt und für welche verlassen die Menschen ihren Wohnort?

Ein methodisches Merkmal der Befragung ist, dass die Befragten selbst angeben können, welche Aktivitäten sie an welchen Orten und mit welchen Verkehrsmitteln durchführen. Dadurch lassen sich Aktivitäten wie Einkaufen oder sonstige Erledigungen weiter differenzieren (z. B. nach einzelnen Geschäften) und situationsabhängige Ziel- und Verkehrsmittelwahlentscheidungen analysieren. Insgesamt nahmen 2.957 Personen an der Befragung teil, davon 780 in Marxzell und 2.177 in Waldbronn.

Exemplarische Ergebnisse für Marxzell

Die Befragung in Marxzell zeigt erste Tendenzen.

• Außenorientierte Alltagsversorgung: Einkäufe (v. a. Lebensmittel) sowie viele Erledigungen im Bereich Pflege und Gesundheit führen aufgrund begrenzter lokaler Angebote überwiegend in Nachbargemeinden bzw. ins nächstgelegene Mittelzentrum Ettlingen.

• Lokale Verankerung sozialer Aktivitäten: Alltägliche Versorgung (z. B. Bäckerei, Metzgerei), Vereins- und Ehrenamtsaktivitäten sowie viele Personenbesuche finden innerhalb der Gemeinde statt und werden meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt.

• Differenzierte Freizeitmuster: Erholung und Einzelsport werden bevorzugt vor Ort ausgeübt, während kulturelle und eventbezogene Aktivitäten überwiegend außerhalb stattfinden, vor allem in Karlsruhe.

• Hohe Pkw-Nutzung bei gemeindeübergreifenden Wegen: Begleitwege und Fahrten in Nachbargemeinden (z. B. zum Einkaufen) erfolgen überwiegend mit dem Auto.

• Aktivverkehr innerhalb von Marxzell: Der Aktivverkehr (zu Fuß gehen und Radfahren) spielt innerhalb von Marxzell durchaus eine wichtige Rolle.

• Geringe ÖPNV-Nutzung mit punktuellen Ausnahmen: Der ÖPNV wird v. a. für Fahrten nach Ettlingen und Karlsruhe (S-Bahn-Anschluss) genutzt, spielt für innerörtliche Wege oder Fahrten in die Nachbargemeinden jedoch kaum eine Rolle – ein möglicher Ansatzpunkt für flexible On-Demand-Angebote.

Bereitschaft zur Nutzung einer automatisierten Ortsbuslinie

Im Rahmen der Befragung wurde außerdem erhoben, wie die Teilnehmenden ihre Nutzungsbereitschaft einschätzen, wenn in ihrem Ort eine neue Ortsbuslinie mit autonomen Shuttle-Bussen angeboten würde. In beiden Gemeinden zeigen die Teilnehmenden ein grundsätzliches Interesse: In Waldbronn zeigt sich ein etwas geringeres Nutzungsinteresse als in Marxzell. In beiden Gemeinden zeigen sich deutliche geschlechts- und altersspezifische Unterschiede: Männer äußern häufiger eine Nutzungsbereitschaft und jüngere Befragte sind tendenziell offener gegenüber der Nutzung von autonomen Bussen. Gleichzeitig schließen ältere Altersgruppen das Angebot auch nicht kategorisch aus, sondern äußern eher, noch etwas abwarten zu wollen. Jedoch geben vor allem in den mittleren Altersgruppen mehr Personen an, den öffentlichen Verkehr grundsätzlich nicht zu nutzen, egal ob autonom oder nicht. In Waldbronn sind es überwiegend ältere Altersgruppen, die angeben, ein Fahrzeug ohne Fahrer sei ihnen unheimlich, während dies in Marxzell interessanterweise auch die jüngsten Teilnehmenden äußern.

Ausblick

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein automatisiertes ÖV-Angebot durchaus eine attraktive Möglichkeit für bestimmte Personen darstellen könnte, zum Beispiel um Einkäufe oder Freizeitaktivitäten in den Nachbargemeinden abzuwickeln oder den Anschluss an die Bahnhaltestellen Richtung Ettlingen oder Karlsruhe sicherzustellen.

Unter welchen Bedingungen und für welche Situationen genau, wird im weiteren Verlauf des Projektes qualitativ erhoben. Dafür werden aus den Umfragedaten empirisch fundierte Mobilitätstypen gebildet, die sich im Hinblick auf ihre Alltagsgestaltung und Verkehrsmittelwahl unterscheiden. Repräsentanten werden dann systematisch zu qualitativen (Fokusgruppen-)Interviews eingeladen. Mit einer solchen ersten qualitativen Eruierung wurde am ITAS im Rahmen einer Masterarbeit bereits begonnen.

Planung des Mock-Up-Hubs am KIT Campus Ost

Die Realisierung eines Mock-up-Hubs zu Testzwecken am Campus Ost wird derzeit vorbereitet. Als Grundlage dient das bereits entwickelte Modell. Die praktische Umsetzung vor Ort wird mit Spannung erwartet.

Vorstudie zu C2CBridge-Umstiegspunkten

Im Rahmen einer Masterarbeit wurde im April 2026 eine Vorstudie zu Umstiegspunkten in einer virtuellen Umgebung durchgeführt. Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen konnten Teilnehmende, die am C2CBridge-Projekt beteiligt sind, verschiedene Mobilitätshubs realitätsnah erleben und erkunden.

Ziel der Vorstudie war es, eine Methode zur Untersuchung von intermodalen Mobilitätshubs und Haltestellen des öffentlichen Verkehrs zu erproben, um diese optimal auf die Bedürfnisse der Nutzenden abzustimmen – insbesondere in Kombination mit bedarfsorientierten Verkehrsangeboten. Dazu wurden den Probanden drei digitale Modelle von Mobilitätshubs präsentiert, in denen sie sich frei bewegen konnten. Im Anschluss hatten sie die Möglichkeit, die verschiedenen Varianten zu bewerten und so aktiv zur Weiterentwicklung moderner Mobilitätslösungen beizutragen.

Die Studie entstand aus einer Zusammenarbeit des Institut für Verkehrswesen und des Institut Entwerfen und Bautechnik des KIT sowie dem Baden-Württemberg Institut für nachhaltige Mobilität.

Finale Abnahme & Fahrzeugüberführung

Unsere beiden Versuchsfahrzeuge sind seit Mitte April 2026 wieder zurück am KIT Campus Ost. Nach dem erfolgreichen Umbau beim Fahrzeugumrüster – inklusive Sensorik, Rampe und Aktorik – starten wir wieder bei uns vor Ort in die nächste Projektphase.

Nächste Ziele:

• Integration des AD-Stacks durch das FZI Forschungszentrum Informatik sowie erste Fahrversuche am KIT Campus Ost

• Erstes Konzept und Tests der Trajektorienfolgeregelung durch Schaeffler

• Bauraumvermessung beim Fahrwerkumrüster bzgl. Einbau des Dämpfersystems

Wir freuen uns darauf, gemeinsam die nächsten Schritte anzugehen.